Barbara Heller

Musikpreis 2019 an Barbara Heller

Die Jury würdigt Barbara Heller für ihr Lebenswerk, das sich durch eine große künstlerische Offenheit, Vernetzung und nachhaltiges Engagement in vielfältigen Bereichen des Musiklebens wie Komposition, Musikpädagogik, Verbandstätigkeit, Musikforschung und -edition auszeichnet. 
1936 in Ludwigshafen geboren, lebt sie seit 1963 als freiberufliche Komponistin und Pianistin in Darmstadt und im Odenwald. Nur wenige Frauen ihrer Generation haben den Beruf der Komponistin ergriffen und über Jahrzehnte so erfolgreich ausgeübt wie Heller. Diesen damals unüblichen und steinigen Weg hat sie unbeirrt verfolgt und sich stets dafür eingesetzt, Dinge dort zu verändern, wo sie selbst an gläserne Decken und Wände der männlich dominierten Musikwelt stieß. Sie vermag es, ihre Freude und Leidenschaft für künstlerische Arbeit zu teilen und ist dabei immer neugierig auf die Ideen Anderer.
Schwerpunkte ihres Schaffens sind Kammermusik und Klavierliteratur, ganz besonders für den Unterricht. Dadurch hat Barbara Heller einen Bereich in den Fokus gerückt, dessen Wichtigkeit allzu oft übersehen wurde. Indem sie eine große Bandbreite spielbarer zeitgenössischer Literatur schuf, hat Heller ein wesentliches Fundament für die Vermittlung heutiger Kompositionspraxis gelegt und zu deren Verständnis wesentlich beigetragen. Dabei basiert ihr Ansatz darauf, die schöpferische Kraft und Fantasie der Spielerinnen und Spieler zu aktivieren und deren Freude an der Entdeckung klanglicher Phänomene zu fördern.
In ihrem umfangreichen Werkkatalog gibt es aber auch grafisch notierte Werke, Filmmusiken, Tonbandkompositionen, Konzepte für Kollektivkompositionen sowie Klanginstallationen, die sie teilweise in Kooperation mit anderen Künstlern wie Nikolaus Heyduck oder Christopher Dell realisiert hat.
Besonders hervorzuheben ist außerdem Barbara Hellers jahrzehntelanges Engagement für die Sichtbarkeit von Komponistinnen im Musikleben und die musikhistorische Aufarbeitung ihres Wirkens. Heller war 1978 Mitbegründerin des Arbeitskreises „Frau und Musik“ und baute gemeinsam mit diesem das Archiv und Forschungszentrum „Frau und Musik“ auf, das bis heute besteht. Sie ist Herausgeberin von Klavierwerken von Fanny Hensel, Mitherausgeberin eines Lexikons „Klaviermusik von Komponistinnen vom 17. bis zum 21. Jahrhundert“ sowie mehrerer Sammelbände mit Werken von Komponistinnen für verschiedene Instrumente bei Schott Music. 
In den 70er Jahren ordnete, katalogisierte und dokumentierte Heller im Auftrag der Stadt Darmstadt den musikalischen Nachlass des Darmstädter Komponisten Hermann Heiß (Darmstädter Beiträge Band XV, Mainz: Schott 1975). Ihre eigenen Werke sind beim Verlag Schott Music sowie beim Furore Verlag verlegt.
Barbara Heller besuchte mehrfach die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik und war 1986 bis 1993 Vorstandsmitglied des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt.